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Foto: © 2025 Dirk Räppold • www.formvorrat.de
Das Markanteste an unserer umgebauten Kirche ist das Messingband, das in der Mitte des Gottesdienstraums auf dem Boden und an der Wand hinter dem Altar entlangläuft. Es materialisiert das Licht aus dem Oberlicht, das sich auf dem Band rauf und runter bewegt. Ein griechisches Kreuz aus verschmolzenen Glasscheiben reflektiert das Licht zusätzlich.
Der Altar wächst aus dem Messingband hervor.
Der Umbau der über 60 Jahre alten Kirche verändert die Raumaufteilung fundamental. Es wurde eine Zwischendecke eingezogen. Der Sakralbau befindet sich nun im Obergeschoss, die Gemeinderäume im Untergeschoss. Im modernen Anbau sind die Verwaltungsräume untergebracht. Die Gebäudehülle mit der typischen Keramikfassade wurde nicht verändert. Die Pläne für den Umbau stammen von Gido Hülsmann von ‚Soan‘-Architekten in Bochum.
Die Lutherkirche war 1957 in ein Neubauviertel der damals stark wachsenden Stadt gebaut worden. Der Architekt Theo Pabst plante das Gebäude als modernes und ungekünsteltes Gotteshaus mit den Materialien Beton, Holz und Klinker. Er erarbeitete auch die Baupläne für das Gemeindezentrum, zu dem Gemeindehaus, Kindergarten, Wohnungen für Erzieherinnen und Küster und ein Pfarrhaus gehörten. Das Gemeindezentrum wurde jedoch im Zuge des Umbaus abgerissen und an seine Stelle eine moderne Kindertagesstätte gebaut.
Zeittafel
Hier finden Sie weitere Bilder der Lutherkirche nach dem Umbau
Am Sonntag nach dem Reformationstag, dem 03. November 1957 wurde die Lutherkirche eingeweiht. Der Bezug zum Namensgeber Martin Luther sollte sich auch in den Entstehungsdaten der Kirche ausdrücken.
Pfarrer Schuster, hatte gemeinsam mit den Gemeindepfarrern Erich Schwanke für den Südbezirk und Karlheinz Haehnel für den Ostbezirk mit drei Hammerschlägen am 31. Oktober 1956 den Grundstein für den Kirchenneubau gelegt.
Der Darmstädter Professor Theo Pabst erarbeitete mit seinem Mitarbeiter Dipl.-lng. Walter Schubotz die Baupläne für das gesamte Kirchengemeindezentrum mit Kirche, Gemeindehaus, Kindergarten, Wohnungen für Kindergärtnerinnen und Küster sowie einem Pfarrhaus. Die Bauausführung nach den Plänen von Pabst wurde dem Rüsselsheimer Architekten Werner Lippert übertragen.
Bei der Einweihung war die Kirche nicht fertig gestellt. Es fehlte außen noch die Verklinkerung der Ost- und der Westwand. Einen Taufstein gab es noch nicht.
Auch musste zunächst eine Leihglocke der Gießerei herhalten, da die eigenen Glocken erst ein Jahr später geliefert wurden.
Und die Gemeinde musste bei der Einweihung kräftig singen, weil die Orgel erst 1961 eingebaut wurde.
Ein Jahr nach der Einweihung der neuen Kirche wurden die Glocken auf einem amerikanischen Armeelastwagen angeliefert.
Die Leihglocke, die bis dato zu den Gottesdiensten geläutet hatte, wurde wieder zurückgegeben.
Pfarrer und Gemeindevorstände hatten für die vier neuen Glocken die aus Kupferzinnbronze in der Gießerei der Gebrüder Bachert in Karlsruhe gegossen wurden eifrig Spenden gesammelt.
11.250 Mark hatten die Gemeindeglieder gestiftet, womit die Glocken vollständig bezahlt werden konnten.
Am 6. Dezember 1964 kam eine fünfte Glocke hinzu: Sie wurde von dem Ehepaar Alt in Erinnerung an ihren im Zweiten Weltkrieg gefallenen Sohn gestiftet.
Und das sind unsere Glocken:
Glocke 1 - 300 Kg. Inschrift: der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände
Glocke 2 - 425 Kg. Inschrift: Verleih uns Frieden gnädiglich.
Glocke 3 - 620 Kg. Inschrift: Ein feste Burg ist unser Gott.
Glocke 4 - 885 Kg. Inschrift: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!
Glocke 5 -1500 kg. Ton d. Inschrift: Ich lebe und ihr sollt auch leben.
Die 1961 von den Gebrüdern Oberlinger erbaute Orgel sollte auch nach dem Umbau in der Lutherkirche ihren Platz haben. Mit ihren 36 Registern und 2727 Pfeifen ist sie eine der größten Orgeln in der Region. Kirchenarchitekt Theodor Pabst, nach dessen Plänen die Lutherkirche gebaut worden war, hatte ihr die äußere Gestalt verliehen. Viele großen Konzerte wurden auf ihr gespielt. Die Lutherkirche und ihre Orgel - für Musik begeisterte Menschen gehört das zusammen.
Die Orgel hat drei Klaviaturen für die Hände, die Manuale, eine Klaviatur für die Füße, Pedal genannt, und 36 Register (Klangfarben wie etwa Trompete oder Flöte). 2.127 Pfeifen in der Größenordnung von elf Millimeter bis 4,52 Meter sind im Prospekt und im Orgelgehäuse untergebracht.
Orgeln sind ja bekanntlich Tasten- und Blasinstrumente, so werden die Pfeifen der Orgel durch komprimierte Luft (Orgelwind) zum Klingen gebracht. 1987 mussten die Blasbälge erneuert und das Instrument überholt werden, wofür die Luthergemeinde 50.000 Mark zahlen musste.
Im Laufe der letzten Jahre wurden bei unserer „Königin der Instrumente“ immer mehr Alterserscheinungen deutlich. Eine umfassende Reparatur war unumgänglich. Eine Untersuchung hatte die Orgel als hochwertig und ihren Zustand als gut bezeichnet. Der Plan also: Die Orgel vor Beginn des Kirchenumbaus abbauen und nach Abschluss der Arbeiten reparierten Ersatzteilen, gereinigten Pfeifen und digitaler Technik wieder aufbauen. Der Kirchenumbau sollte 2018 beginnen.
Eine größere Einzelspende ließ auch die Verzagteren im Kirchenvorstand Mut schöpfen. Ein Förderkreis wurde gegründet, um die Aktionen, mit denen Geld verdient werden sollte, zu organisieren. Eine Matchingfund-Aktion der EKHN legte einen Teil der eingenommenen Summe drauf. Beim ersten Brainstorming wurden 23 Projekte ermittelt. Zum Kirchturm-Abseilen kam es nicht. Aber es gab einen Filmabend, ein Jazzkonzert, ein Pfarrerkabarett und Theateraufführungen. Die Gemeinde war mit einem Cr´èpes-Stand auf Innenstadtfesten vertreten. Die Jahre 2016 bis 2018 waren für den Kirchenvorstand, die Mitglieder des Förderkreises, dem auch Nicht-KV-Mitglieder angehören, eine bewegte Zeit. Es gab viel zu tun: Planen und organisieren, Flyer drucken und verteilen, Stühle und Bänke stellen, Eintrittskarten und Getränke verkaufen. Pfarrerin Hanne Köhler und ab 2018 auch Pfarrer Sebastian Gerisch mischten immer mit. Die stellvertretende Vorsitzende Karin Wölfle fuhr Männer und Frauen mit ihrer Rikscha spazieren. Es gab einen Verkaufsstand in der Kirche mit Marmelade und Plätzchen. Der Kirchenvorstand ließ sich selbst versteigern - Gäste konnten die von einzelnen Mitgliedern angebotenen Dienstleistungen erwerben - von Mathematiknachhilfe bis Kindergeburtstag organisieren war vieles dabei. Auf dem Hessentag in Rüsselsheim stellte die Gemeinde einen Kuchenstand, natürlich mit Selbstgebackenem.
Die erfolgreichste Aktion war die Orgelpfeifenpatenschaft. Freunde und Freundinnen der Luthergemeinde konnten für einzelne Pfeifen Patin oder Pate werden. So brachte die „MH Flageolett 2-fach Cis - G und h“ 750 Euro ein. Insgesamt wurden durch die Orgelpatenschaften über 60.000 Euro eingenommen. Geholfen hat auch, dass die EKHN der Gemeinde einen Zuschuss und ein zinsloses Darlehen gewährte.
30.000 Euro wurden durch Eigenleistung eingespart. Freunde und Freundinnen der Gemeinde packten beim Ab- und Aufbau der Orgel mit an und organisierten ein kostengünstiges Lager. Das Schöne war, dass sich der Kreis der Aktiven im Laufe der Zeit erweiterte. Und bei aller Anstrengung machten die Aktionen eine Menge Spaß.